Ein Gespräch von Philipp Thomas (PH Weingarten) mit Florian Wobser (Universität Passau)

Über Phil's Philosophie
Auf dem YouTube-Kanal 'Phil's Philosophy' produziert Prof. Dr. Philipp Thomas für seine Studierenden und für die interessierte Öffentlichkeit Lehrvideos zu philosophischen Positionen und Fragen sowie Interviews mit Studierenden oder Kolleg:innen. Die thematische Bandbreite reicht von philosophiehistorischen Fragen (etwa zur Philosophie Platons) über systematische Fragen (inwiefern gehört unser Selbst mit zur Vernunft bei Kierkegaard, Heidegger und Sartre) bis hin zur Vorstellung von BA- oder MA-Arbeiten seiner Studierenden. Ein Schwerpunkt des Kanals liegt auf Bildungsphilosophie und Didaktik der Philosophie und Ethik.

Florian Wobsers Perspektive auf das Anthropozän

Mit dem kontroversen Begriff „Anthropozän“ ist die These verbunden, dass der Mensch als Gattung selbst zu einer Kraft geworden sei, die „Natur“ selbst verändere, indem etwa die Kultur-Natur-Grenze nicht nur durchlässig wird oder dialektisch zu begreifen ist, sondern die Überschreitung u.a. des Technischen, Industriellen, Humanen auf Natürliches hin so evident ist, dass die grundsätzlich dualistische Grenze suspendiert wird. Wir sind Natur, die Natur umfasst auch uns – zwischen Mensch und Natur besteht gerade in ökologischer Hinsicht ein problematisches Spannungsfeld, aus dem z.B. folgt, das sukzessive alle „planetaren Grenzen“ missachtet werden. Erdsystem und Zivilisation befinden sich in einer „Großen Beschleunigung“ des Ressourcenverbrauchs und seiner fatalen Auswirkungen. Die in den letzten Jahren angestoßene Aufrüstungsspirale spitzt die Situation zu, die bei vielen Angst auslöst und für die neue Modelle der interdisziplinären Bildung, die etwa Geographie und Ethik verbinden, notwendig erscheinen.

Das vermeintlich Neue basiert dabei auf Vorarbeiten, die mindestens auf die 1980er Jahre zurückgehen: Der Mensch in all seiner Vielfalt sollte nicht ausschließlich als ein argumentierendes und urteilendes Wesen, sondern auch als ein emotionales, wahrnehmendes und fühlendes Wesen anerkannt werden; eine anthropologische Dimension, die unmittelbar auch das Mensch-Natur-Verhältnis betrifft, das einmal mehr in eine Beziehung transformiert werden sollte, um die instrumentelle Unterwerfung der Natur in einen Horizont zu wandeln, worin das Humanum bzw. der „Anthropos“ in seinem Hyperaktivismus auf dem Planeten kritisch reflektiert werden kann.

Die beiden philosophie- und ethikdidaktischen Gespräche zwischen Philipp Thomas (PH Weingarten) und Florian Wobser (Universität Passau) widmen sich diesem so relevanten Zusammenhang, wobei sowohl einführende („Wer hat Angst…?“) als auch vertiefende („ethische Sensibilisierung“) Aspekte in den Blick genommen werden und die Reflexionsdimension des „Anthropozäns“ mittels fachdidaktischer Überlegungen zu – mindestens – den Fächern Philosophie/Ethik auch in unterschiedlichen Hinsichten (Methoden, Medien, Kontexte: u.a. Erfahrung von Natur, Kunst- und Naturästhetik, Nature Writing, Nature Filming, nicht-propositionales Wissen bzw. präsentative Unterrichtsmedien, Atmosphären, Leiblichkeit, Aisthesis) praxisorientiert konkretisiert wird.

Text: Philipp Thomas & Florian Wobser (2025)

Bild: Philipp Thomas (2025)