Schüler*innenbefragung durch die Robert Bosch Stiftung – Ergebnisse März 2026

Als repräsentative Umfrage richtet sich das Deutsche Schulbarometer an allgemein- und berufsbildende Schulen in ganz Deutschland. Grundlage sind die Beobachtungen und Einschätzungen jener Menschen, die den Schulalltag aktiv mitgestalten und erleben – dadurch können Entwicklungen frühzeitig sichtbar gemacht werden. Die gewonnenen Erkenntnisse zu aktuellen Herausforderungen und Bedarfen bilden die Basis für konkrete Handlungsempfehlungen an Entscheidungsträger*innen im Bildungswesen. Das Deutsche Schulbarometer setzt sich aus drei eigenständigen Befragungsinstrumenten zusammen: Das Deutsche Schulbarometer Lehrkräfte nimmt die schulische Situation aus dem Blickwinkel des Lehrpersonals in den Fokus. Im Deutschen Schulbarometer Schüler*innen stehen das psychische und schulische Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt – befragt werden sowohl die Schüler:innen selbst als auch ihre Erziehungsberechtigten. Darüber hinaus werden dabei psychosoziale Versorgungsstrukturen innerhalb und außerhalb von Schulen beleuchtet.

Zentrale Ergebnisse

Psychische Belastung

Das Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen hat weitreichende Folgen für ihre Entwicklung, Bildungschancen und psychische Gesundheit im Erwachsenenalter. Die Ergebnisse des „Schulbarometers Schüler:innen 2025/2026“ geben daher Anlass zur Sorge: Rund ein Viertel der 8- bis 17-Jährigen zeigt Hinweise auf ein hohes psychisches Belastungserleben – ein leichter Anstieg gegenüber 2024 (21 %). Besonders betroffen sind Kinder aus einkommensschwachen Familien sowie Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Dem anhaltend hohen Unterstützungsbedarf steht eine unzureichende Versorgungslage gegenüber: Lange Wartezeiten auf Psychotherapie und knappe schulische Angebote verschärfen die Situation.

Empfehlungen

Zur nachhaltigen Förderung psychischer Gesundheit sind sowohl der Ausbau niedrigschwelliger Präventions- und Unterstützungsangebote als auch strukturelle Maßnahmen erforderlich – etwa der Abbau sozialer Benachteiligungen, die Verbesserung von Bedingungen in Bildungseinrichtungen und die Stärkung sozialer Unterstützungssysteme.

Schulisches Wohlbefinden und Unterrichtsqualität

Schulisches Wohlbefinden gilt sowohl als Voraussetzung als auch als eigenständiges Ziel von Bildung. Die Erhebung 2025/2026 zeigt ein ähnliches Bild wie 2024: Drei Viertel der Schüler*innen berichten ein mittleres Wohlbefinden, 16 % ein geringes. Besonders belastet sind Kinder aus finanziell schwachen Familien sowie jene mit psychischen Auffälligkeiten. Den stärksten Einfluss auf das schulische Wohlbefinden hat die wahrgenommene Unterstützung durch Lehrkräfte – wer sich wertgeschätzt fühlt, fühlt sich in der Schule wohler. Daneben spielen ein angemessenes Anforderungsniveau, ein positives Klassenklima sowie ein starkes akademisches Selbstkonzept eine wichtige Rolle. Prüfungsangst wirkt sich hingegen negativ aus. Insgesamt lassen sich rund 60 % der Unterschiede im schulischen Wohlbefinden auf diese Faktoren zurückführen.

Empfehlungen

Lernleistung und Wohlbefinden schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Merkmale guten Unterrichts wie konstruktive Unterstützung und passgenaue Anforderungen fördern beides zugleich. Lehrkräfte sollten sich dieser Wechselwirkung bewusst sein und gezielt Schüler*innen-Feedback nutzen, um ihren Unterricht weiterzuentwickeln.

Schulisches Wohlbefinden, Partizipation und Mitbestimmung

Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Schule stehen in engem Zusammenhang mit dem Wohlbefinden und der Lebenszufriedenheit von Schüler*innen. Obwohl die UN-Kinderrechtskonvention Schulen zur aktiven Einbeziehung von Schüler:innen verpflichtet, werden Mitbestimmungsmöglichkeiten von den Befragten als gering eingeschätzt. Bei Klassenregeln können 34 % mitbestimmen, bei Unterrichtsinhalten hingegen hat rund die Hälfte keinerlei Einfluss – bei Notengebung und Prüfungsterminen sogar etwa zwei Drittel. Gleichzeitig wünscht sich eine deutliche Mehrheit (64–74 %) mehr Mitsprache in nahezu allen Bereichen.

Auch befragte Lehrkräfte schätzen die Partizipationsmöglichkeiten als gering ein – betrachten sie jedoch mehrheitlich als ausreichend. Hier zeigt sich eine klare Diskrepanz: Während Schüler*innen mehr Mitbestimmung fordern, sehen Lehrkräfte kaum Handlungsbedarf.

Empfehlungen

Da mehr Partizipation nachweislich mit höherem Wohlbefinden und gesteigerter Lebensqualität einhergeht, sollten bestehende Strukturen wie Schülervertretungen gezielt ausgebaut werden. Transparente Entscheidungsprozesse und altersgerechte Beteiligungsformate sind dabei ebenso wichtig wie ein grundlegendes Verständnis von Mitbestimmung als Kernprinzip – nicht als optionales Element – von Schule und Unterricht.

Mobbing und Cybermobbing

Mobbing und Cybermobbing zählen zu den schwerwiegendsten psychosozialen Belastungen im Schulalltag und haben langfristige Folgen für psychische Gesundheit und soziale Teilhabe. Den Erhebungsdaten zufolge berichtet fast ein Drittel der 11- bis 17-Jährigen, im laufenden Schuljahr mindestens monatlich negativen sozialen Verhaltensweisen ausgesetzt gewesen zu sein – besonders häufig betroffen sind Jugendliche um das 14. Lebensjahr. Besonders intensive Mobbingerfahrungen schildern 7 %, während 4–12 % wöchentliche oder tägliche Schikanen wie Beschimpfungen oder das Verbreiten von Gerüchten erleben. Direktes Mobbing tritt häufiger auf als Cybermobbing, oft jedoch in Kombination. Mobbingerfahrungen gehen deutlich mit geringerem schulischen Wohlbefinden, psychischen Auffälligkeiten und einem schwächeren Zugehörigkeitsgefühl einher.

Empfehlungen

Angesichts der Verbreitung und Intensität von Mobbing an Schulen sind frühzeitige Prävention und klare Interventionsstrukturen unerlässlich – bereits ab der Grundschule. Betroffene benötigen niedrigschwelligen Zugang zu Unterstützung und therapeutischer Hilfe. Erfreulich ist, dass ein Großteil der befragten Schüler*innen und Eltern von entsprechenden Angeboten an ihrer Schule berichtet. Künftige Untersuchungen sollten klären, welche zusätzlichen Maßnahmen für eine erfolgreiche Umsetzung von Präventionsprogrammen erforderlich sind.

Text: Stefan Applis (2026) unter engem Bezug auf Robert Bosch Stiftung 2026

Quelle: Robert Bosch Stiftung (2026). Deutsches Schulbarometer: Befragung Schüler:innen 2025. Ergebnisse von 8- bis 17-Jährigen und ihren Erziehungsberechtigten zu Wohlbefinden, Unterrichtsqualität, Partizipationsmöglichkeiten und (Cyber-)Mobbing. Stuttgart: Robert Bosch Stiftung.