bpb | Themenblätter im Unterricht | 142 von Julia Habermann & Sonja Wölte
„Die Scham muss die Seite wechseln!“ Mit diesem Satz hat die Französin Gisèle Pelicot während des Missbrauchsprozesses von Avignon im vergangenen Jahr weltweit für Aufsehen gesorgt. Als Betroffene von geschlechtsspezifischer Gewalt hat sie damit ein gesellschaftliches Umdenken eingefordert: Schämen sollten sich allein die Täter, Mitwissenden und untätigen Zeugen von Gewalttaten gegen Frauen und Mädchen – nicht aber die Betroffenen selbst, denen manchmal sogar eine Mitschuld unterstellt wird. Geschlechtsspezifische Gewalt ist ein anhaltendes Problem, das Bundeskriminalamt verzeichnet eine zunehmende Zahl von Straftaten. Diese reichen von Nötigung bis hin zu Tötungsdelikten, sogenannten Femiziden. Sie geschehen in der Partnerschaft, in der Öffentlichkeit und im digitalen Raum. Was sie verbindet: Es handelt sich um ein gesamtgesellschaftliches Phänomen, das nicht auf einzelne soziale Schichten beschränkt ist. Die Aufmerksamkeit und Sensibilität für das Thema nimmt zu, auch dank zahlreicher Proteste: Dazu zählen Frauen, die weltweit mit roten Handabdrücken im Gesicht gegen geschlechtsspezi fische Gewalt und Ungleichheit auf die Straße gehen wie die Frau auf dem Titel bei einer Demo in Mailand. Der Weg hin zu einem echten gesellschaftlichen Umdenken, wie es Gisèle Pelicot fordert, ist jedoch noch lang und erfordert auch eine intensive Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen sowie den damit verbundenen Benachteiligungen und Privilegien.
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Autorinnen: Julia Habermann, Sonja Wölte, Herausgeberin: Link hat Vorschau-PopupInterner Link: Bundeszentrale für politische Bildung/bpb. (2025), Lizenz: CC BY-SA 4.0.
