Zentrale Befunde aus dem Nationalen Bildungsbericht 2026
Bildungszeit und Qualifikation (Kapitel B)
Bildungszeit rückläufig: Die für Lern- und Bildungsaktivitäten aufgewendete Zeit ist seit 2012 um rund eine halbe Stunde pro Tag gesunken – vor allem wegen kürzerer bildungsbezogener Wegezeiten. Sie konzentriert sich stark auf die ersten zwei Lebensjahrzehnte; ab 35 Jahren schrumpft sie auf wenige Minuten täglich.
Mehr Hochqualifizierte, aber keine Abnahme der Geringqualifizierung: Der Trend zur Höherqualifizierung bei 25- bis unter 35-Jährigen setzt sich fort, während mittlere (besonders berufliche) Abschlüsse anteilig zurückgehen – ohne dass die formale Geringqualifizierung abnimmt. Zuwanderung seit 2014 hat den Anteil gering Qualifizierter erhöht, da die Bildungsstruktur neu Zugewanderter heterogener ist.
Frühe Bildung, Betreuung und Erziehung (Kapitel C)
Mehr Familienzeit trotz steigender Erwerbstätigkeit: Väter und erwerbstätige Mütter investieren deutlich mehr Zeit in Kinderbetreuung als noch vor zehn Jahren – insbesondere für Vorlesen und Spielen. Digitale Medien verdrängen familiale Bildungsaktivitäten nicht zwangsläufig, sind aber stärker präsent.
Multidisziplinäre Unterstützung für belastete Familien nötig: Angebote wie Familienzentren und aufsuchende Frühe Hilfen sind besonders wirksam für Familien in schwierigen Lebenslagen – vor allem für Kinder, die am meisten von einem frühen Kita-Besuch profitieren würden.
Neuer Höchststand bei Kitas und Personal: 2025 gibt es bundesweit über 57.000 Kitas und über 740.000 Beschäftigte – jeweils neue Rekordwerte. Das Wachstum verlangsamt sich jedoch, und in einzelnen Regionen (vor allem Ostdeutschland, Hamburg, Schleswig-Holstein) gibt es bereits Rückgänge.
Bedarfsunterdeckung bei unter 3-Jährigen bleibt: Trotz gestiegener Beteiligungsquote (38 % bei unter 3-Jährigen, 95 % bei 3- bis unter 6-Jährigen) besteht weiterhin eine deutliche Lücke zwischen elterlichem Bedarf und verfügbaren Plätzen – besonders in Westdeutschland (bis zu 23 Prozentpunkte bei 1-Jährigen).
Ungleiche Beteiligung unverändert: Kinder mit gering qualifizierten Eltern oder Einwanderungsgeschichte sind in der Kindertagesbetreuung nach wie vor unterrepräsentiert – ohne Verbesserung in den letzten zehn Jahren.
Sprachstandserhebungen nicht flächendeckend: Immer mehr Bundesländer führen verpflichtende Sprachtests für alle 4-Jährigen ein, aber die Verfahren sind bundesweit noch uneinheitlich und kaum vergleichbar.
Allgemeinbildende Schule (Kapitel D)
Schülerzahlen steigen noch, Rückgänge kommen: Aktuell wachsen die Schülerzahlen besonders im Sekundarstufenbereich I und II, was erhöhte Kapazitäts- und Personalbedarfe mit sich bringt. Durch Geburtenrückgang und rückläufige Zuwanderung werden künftig sinkende Zahlen erwartet – zunächst im Primarbereich (vor allem Ostdeutschland). Das eröffnet Steuerungsspielräume, z. B. für Inklusion und Ganztagsausbau.
Ganztagsangebot wächst zu langsam: Die Nutzung ganztägiger Grundschulangebote ist in fünf Jahren um 15 % auf knapp 1,9 Millionen Kinder gestiegen – das Angebot hinkt aber hinterher. Je nach Bundesland klafft eine Lücke von 1 bis 16 Prozentpunkten zwischen Bedarf und Angebot. Nur 17 % der Kommunen sind überzeugt, den kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung vollständig erfüllen zu können.
Große regionale Unterschiede: Ostdeutsche Länder haben traditionell gut ausgebaute Ganztagsangebote (oft über Horte), während Bayern mit unter 50 % die niedrigsten Beteiligungs- und Bedarfsquoten aufweist.
Lehrermangel bleibt – weiteres Schulpersonal gewinnt an Bedeutung: Der Lehrkräftebedarf übersteigt weiterhin das verfügbare Angebot; gleichzeitig rückt die Rolle anderer pädagogischer Fachkräfte stärker in den Fokus.
Am 22. Juni 2026 von 11:00 bis 12:30 Uhr können die Ergebnisse gemeinsam mit den Autor:innen des Berichts diskutiert werden. Die Online-Veranstaltung wird durch einen Vortrag von Prof. Dr. Kai Maaz zu den aktuellen Trends, Problemlagen und Herausforderungen im Bildungswesen eröffnet und bietet anschließend Gelegenheit für Rückfragen und Austausch mit den Mitgliedern der Autor:innengruppe. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich: https://dipf-de.zoom.us/j/65878780024?pwd=ZO8xXwTr4AFPFyTHucJCdxpYoBTRJB.1
Titelbild: magnific/freepik (2026)
Text: Stefan Applis (2026) unter egmen bezug auf Nationaler Bildungsbericht 2026