Die Lebenslinienmethode: Mit einem Lebensliniendiagramm im Geographie- und im Ethik-/Philosophieunterricht arbeiten

Die Lebenslinienmethode (engl. fortune lines) ist mit dem Ziel der Förderung von Beurteilungs- und Bewertungskompetenz verknüpft. Mit der Methode sollen über den Austausch mit anderen über die Gefühls- und Stimmungslagen der fiktiven Akteure auch die eigenen Vorstellungen fremder Räume und die wertbezogenen Gefühle und Haltungen zu den geschilderten Lebensumständen thematisiert werden. Damit eignet sich die Methode sehr gut dafür, sich über Wertvorstellungen gegenüber bestimmten Sachverhalten, Ereignissen und Situationen von Personen sowohl im Geographie- als auch im Ethik- und Philosophieunterricht auszutauschen. Dies erfolgt über das Nachvollziehen chronologisch geordneter Ereignissen, indem diese in ein Achsenkreuz auf einer Lebensgefühl-Skala eingetragen werden.

Auf diese Weise stellen Lebenslinien-Diagramme einen Zusammenhang her zwischen geographischen Ereignissen bzw. Sachverhalten und den Bewertungen, Reaktionen, Verhaltensweisen und Überzeugungen von Menschen.

(Schuler et al. 2013, S. 70)

Um sich diese bewusst zu machen, müssen Schülerinnen und Schüler den gegebenen abstrakten Fakten Bedeutungen zuweisen, was über Versuche eigene Alltagserfahrungen mit einzubeziehen, vollzogen wird. So sind gleichermaßen Einbildungskraft, Fähigkeit zum Perspektivwechsel, Argumentations- und Entscheidungsfähigkeit auf Seiten der Lernenden gefordert. Ein großer Vorteil wird im Realitätsbezug dieser Methode gesehen, »den das Achsensystem und die Daten in dieser Darstellung enthalten. Der Lebensweltbezug erleichtert Schülern die gedankliche Verbindung zwischen der abstrakten Darstellung im Diagramm und der Bedeutung bestimmter Ereignisse für die Situation der involvierten Menschen. Ihnen wird deutlich, dass sich hinter jedem Punkt in einem Diagramm zahlreiche Fragen und Antworten verbergen können« (Schuler et al. 2013, S. 70).

Lebensliniendiagramm

Peter Link hat zwei Varianten der Lebenslinienmethode erstellt, die mit fiktiven Biografien von Heranwachsenden arbeiten, die auf unterschiedliche Weise mit dem Rohstoffkreislauf von Elektrogeräten verbunden sind. „Akuas Leben in Agbogbloshie“ ist eine Lernaufgabe auf mittlerem Komplexitätsniveau, „Kitos Leben in Punia“ eine Lernaufgabe auf mittlerem bis hohem Komplexitätsniveau.

Lebensliniendiagramm | Akuas Leben in Agbogbloshie

Ghana ist oftmals die Endstation für ausgemusterte Elektrogeräte aus der ganzen Welt. Von den ca. 500 Containern Elektroschrott, die jeden Monat an den größten Schrottplatz Afrikas angeliefert werden, stammen auch einige aus Deutschland. Die Müllhalde »Agbogbloshie« liegt in Ghanas Hauptstadt Accra und ist Deponie, Marktplatz und Wohnort für mehr als 50.000 Bewohner zugleich.

Akua ist 14 Jahre alt und kommt aus Ghana. Zusammen mit ihrer Familie ist auch sie von diesen »Müllexporten« betroffen. Welche Höhe- und Tiefpunkte gab es in ihrem Leben?

Lebensliniendiagramm | Kitos Leben in Punia

Kito ist 9 Jahre alt und lebt in dem afrikanischen Gebiet Punia. Zusammen mit sechs anderen Gebieten gehört es zu der Provinz Maniema und liegt nordöstlich der Stadt Kindu in der Demokratischen Republik Kongo. Das Schicksal der Menschen vor Ort ist oftmals eng verknüpft mit Entscheidungen und Entwicklungen in anderen Ländern, die zum Teil sogar auf einem anderen Kontinent liegen.

Durch seinen klugen Großvater erfährt Kito vieles über die Vergangenheit seiner Heimat. Findet heraus, was die Einwohner Punias in der bewegten Geschichte des noch jungen Landes erlebten und fühlten. Welche Höhe- und Tiefpunkte gab es in ihrem Leben?

Text: Stefan Applis (2020)

Fotos: Peter Link (2020)

Unterrichtsmaterial: Peter Link (2019)

Literaturhinweise

Schuler, P., Coen, A., Hoffmann, K.-W., Rohwer, G. & Vankan, L. (2013): Mehr Denken Lernen mit Geographie. Diercke Methoden 2. Braunschweig: Westermann.