Bildungsmaterial für Ethikunterricht und BNE vom Landesbildungsserver Baden-Württemberg

Der Landesbildungsserver Baden-Württemberg bietet zur Behandlung ethischer Fragestellungen im Ethikunterricht ein umfangreiches Methodenportal, das zudem konkrete Unterrichtsbeispiele vorschlägt, die in gestufter Weise über einzelne Jahrgangsstufen hinweg im Ethikunterricht eingesetzt werden können. Viele der Beispiele, die dem Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung zugeordnet werden können, sind auch in Geographie-, Wirtschafts- oder Politikunterricht umsetzbar. Im Folgenden findet sich ein Unterrichtsvorschlag für die Umsetzung eines Fallbeispiels zu Fragen der Nutzung von Geothermie in Island, kombiniert mit zusätzlichen Medien und Materialien.

Die Methode der ethischen Fallanalyse ist ein unterrichtspraktisches Verfahren, das eine strukturierte, progressiv angelegte ethische Urteilsbildung ermöglicht. Auf diese Weise können Schülerinnen und Schüler an einzelnen Fallbeispielen aus verschiedene Bereichen (Medizinethik, Technikethik, Medienethik usw.) die Kernkompetenz des Ethikunterrichts, ethisches Argumentieren und Urteilen schulen, erwerben und reflektieren. Sie eignet sich in unterschiedlichen Varianten und Anspruchsniveaus für alle Klassenstufen des Ethikunterrichts sowie zur Leistungsmessung (schriftlich oder mündlich – etwa als Präsentation).

Fachredaktion Ethik (o. J.). Ethische Fallanalyse. Fachportal des Landesbildungsservers Baden-Württemberg.

Unterrichtlicher Durchgang zur Fallanalyse (Sek I Ethikunterricht, Sek II Geographieunterricht);

Hinweis: Für die Sek II sieht die Redaktion des Fachportals Ethik den Einsatz von ethischem Basiswissen vor (z. B. Utilitaristische Abwägung, Prinzipienethik); die die Schüler*innen einer Geographie-, Wirtschafts-, Politikgruppe üblicherweise nicht über dieses Wissen verfügen, wird hier vorgeschlagen die Schritte der ethischen Urteilsbildung für die Sek I. auch in der Sek. II einzusetzen im sonstigen Fachunterricht (Geographie, Wirtschaft, Politik etc.).

Eine ethische Fallanalyse durchführen zu Fragen der Nutzung von Geothermie in Island

Die Geothermie wird gemeinhin als nachhaltige Lösung für den Energiewende propagiert; Island gilt in dem Feld als Vorreiter, da das Land heute 100 Prozent seines lokalen Strom- und Fernwärmebedarfs aus erneuerbaren Ressourcen deckt (70% Wasserkraft und 30% Geothermie). Der folgenden Galileo-Beitrag, der als Einstieg in die Fallanalyse verwendet werden kann, macht die starken Potentiale der Technologie und die Begeisterung über diese am Beispiel des Bananenanbaus in Gewächshauskulturen in Island deutlich. Zugleich können damit auch Fragen der Umgestaltung des Naturraumes und Grenzen der Nutzung problematisiert werden.

Fallbeschreibung: Eine neue Geothermieanlage auf Island (Arbeitsblatt über Landesbildungsserver Baden-Württemberg)

Das Unternehmen GE möchte auf Island ein neues Kraftwerk bauen, das durch Erdwärme (Geothermie) angetrieben wird. Auf der Insel mit 320.000 Einwohnern befinden sich bereits fünf Kraftwerke, die bereits 90% alle Räume aufheizen. GE verspricht 50 neue Arbeitsplätze zu schaffen. Der aus erneuerbaren Energien erzeugte Strom soll durch Kabel in die USA exportiert werden, wo er in der Schwerindustrie genutzt werden kann. Dazu müssen außerdem auf Island kilometerlange Rohre durch die Landschaft verlegt werden. Umweltschützer verweisen dagegen auf die konkreten Umweltschäden durch die Bohrungen wie dem gesunkenen Grundwasserspiegel und der Freisetzung von gesundheitsgefährdenden Stoffen wie Arsen, Quecksilber und Schwefelwasserstoff. Ungeklärt ist auch die Sicherheit der Kraftwerke angesichts der erhöhten geologischen Risiken (Plattentektonik).

(Nach: Kirchner, Thomas: Das Evangelium der Geothermie. In: Süddeutsche Zeitung vom 25.3.2013, S. 71)

Frage: Soll das Unternehmen ein neues Kraftwerk auf der Insel bauen dürfen?

a) Benennen Sie zunächst Beteiligte und Betroffene sowie deren Interessen und Ziele.

b) Arbeiten Sie die Werte heraus, die den jeweiligen Interessen und Zielen zugrunde liegen.

c) Erläutern Sie auftretende Wertkonflikte.

Im Ethikunterricht: d) Begründen Sie, wie der Wertkonflikt entschieden werden soll. Setzen Sie sich in Ihrer Argumentation auch einander mit Positionen der Moralphilosophie bzw. solchen der ökologischen Ethik.

Einsatz weiteren Unterrichtsmaterials

Um die faktische Komplexität des Falles zu erschließen, ist der Einsatz weiteren Unterrichtsmaterials anzuraten, das ggf. didaktisch reduziert an die jeweilige Jahrgangsstufe anzupassen wäre; die folgenden Texte werden hierzu empfohlen – Texte und Bilder können z. B. innerhalb eines Gruppenpuzzles vor oder nach der Fallanalyse im Unterricht erarbeitet werden – im zweiten Fall würde die faktische Analyse die ethische Fallanalyse vorbereiten und entsprechend die Komplexität der Analyse vergrößern. Denkbar sind freilich auch eigene Recherchen zum Thema im Anschluss an die ethische Fallanalyse, um daraufhin, das erste Urteil zu überprüfen.

Text: Stefan Applis (2022)

Bild: Image by unaihuiziphotography on Freepik

Zum vollständigen Materialangebot auf Landesbildungsserver Baden-Württemberg: