Für viele Lehrkräfte sind kompetenzorientierte Unterrichtsmodelle oft schwer umsetzbar, weil sie eher am Projektunterricht als am Unterricht innerhalb fester Zeiteinheiten von 45 oder 90 Minuten ausgerichtet sind. Die im DBU-Projekt »Elektroschrott, kritische und wertvolle Metalle/Gewinnung Seltener Erden« vorgeschlagenen Unterrichtsentwürfe sind jedoch dafür entwickelt worden, innerhalb herkömmlicher Stundenraster eingesetzt zu werden. Hierbei folgen wir dem Ansatz des projektartigen Arbeitens aus den Hamburger Unterrichtsmodellen zum Globalen Lernen, das im Folgenden kurz vorgestellt werden soll.

Kerngedanke des Hamburger Unterrichtsmodelle: individuell und sozial Lernen

Das Hamburger Konzept zum Globalen Lernen zum KMK-Orientierungsrahmen Globale Entwicklung greift Grundsätze des Projektunterrichts auf und stellt Kompetenzförderung, Individualisierung und selbstgesteuertes Lernen in den Vordergrund. Lernen wird darin als ein höchst individueller Prozess aufgefasst, „der nicht ohne Kooperation und Kommunikation auskommen kann“ (Schreiber/Edler/Schawe 2010: 6).

Das sich im Unterricht entfaltende Verhältnis zwischen Gesellschaft, Lerngruppe und Lernbedingungen bestimmt den Erfolg des Lernens, da Bildungsprozesse sich immer innerhalb informeller Lernprozesse, die außerhalb von Bildungseinrichtungen erfolgen und formeller Lernprozesse innerhalb von Bildungseinrichtungen entfalten. Sie sind entsprechend auf die gelingende Kooperation naher sozialer Partner im unmittelbaren Unterrichtsumfeld und weiter entfernter gesellschaftlicher Partner außerhalb der Schule angewiesen.

Globales Lernen ist auf die individuelle Erschließung der Welt ausgerichtet und zugleich auch auf soziales Lernen vor dem Hintergrund der (in unserem Denken und Handeln noch schwer zu realisierenden) Weltgesellschaft. Im Unterricht geht es dabei vor allem um die Selbstwahrnehmung in einer globalisierten Welt sowie um das produktive Spannungsverhältnis zwischen der durch Erfahrung und Einsicht gesteuerten Aneignung von zukunftsfähigen Verhaltensweisen und der weitgehend unreflektierten Übernahme von Vorbildern und Lebensformen.

(Schreiber/Edler/Schawe 2010: 7)

Als Leitlinie für die Unterrichtsplanung kann entsprechend formuliert werden, dass soziale Prozesse im Sinne sozialen Lernens und demokratischer Sozialerziehung einzubeziehen sind. Das Hamburger Konzept zum Globalen Lernen greift zur Umsetzung dieser Zielsetzungen Grundsätze des Projektunterrichts auf und stellt Kompetenzentwicklung, Individualisierung des Unterrichts und selbstgesteuertes Lernen in den Vordergrund.

Das Hamburger Konzept zum Globalen Lernen erhebt nicht den Anspruch, eine eigene didaktische Theorie vorzulegen, gleichwohl ist die starke theoretische Verankerung in der kritisch-konstruktivistischen Didaktik Wolfgang Klafkis (1927–2016) deutlich. Es geht vor allem um:

  • die Entwicklung wichtiger Kompetenzen
  • die Anwendung subjektorientierter und kooperativer Lernformen
  • die Stärkung von Eigenverantwortung für den Lernprozess
  • den Einsatz vielfältiger Unterrichts- und Lernmethoden
  • die Auseinandersetzung mit wichtigen Themen des globalen Wandels
  • wertebewusstes Urteilen und Handeln
  • die Förderung ganzheitlichen, fächerübergreifenden Unterrichts.

Unterrichtsplanung mit den Hamburger Unterrichtsmodellen

Die vorgeschlagenen Unterrichtseinheit sind so konzeptioniert, dass – ebenso wie im DBU-Projekt »Elektroschrott, kritische und wertvolle Metalle/Gewinnung seltener Erden« –- Unterrichtsmethoden ins Zentrum gesetzt werden, die jeweils eine Inhaltseinheit innerhalb einer methodischen Einheit behandeln, die jeweils innerhalb von 45- oder 90-Minuten-Segmenten durchführbar oder auch ausweitbar ist. Ebenso können Methoden, die auf 90 Minuten ausgelegt sind in zwei mal 45-Minuteneinheiten durchgeführt werden. Verbunden können die einzelnen Segmente werden, indem man die gesamte Unterrichtseinheit nach den sieben Lernphase der Projektarbeit aufbaut:

So sollen sich Kernkompetenzen des Globalen Lernens mit fächerübergreifenden Kompetenzen zu einer komplexen Handlungskompetenz verbinden, die „im Lernprozess eng mit der Entwicklung domänenspezifischer Kompetenzen verbunden [seien] und […] mit diesen für die ‚Problemlösung in variablen Situationen‘ eine komplexe Handlungskompetenz [bilden sollen]. Es geht vor allem um personale und soziale Kompetenzen, die in der Fachdiskussion um Bildungsstandards bisher keine angemessene Aufmerksamkeit“ gefunden hätten. (Schreiber/Edler/Schawe 2010: 15). Die neuen Hamburger Bildungspläne, für deren Entwicklung Schreiber ebenfalls mit verantwortlich zeichnet, erwarten, dass die Schüler*innen solche Kompetenzen in drei Bereichen erwerben:

  • Selbst-Kompetenzen befähigen zum kritischen und konstruktiven Umgang mit den eigenen Stärken und Schwächen, Meinungen und Gefühlen, mit Kritik und Misserfolg – umfassen aber auch die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und sie zu verfolgen.
  • Soziale Kompetenzen befähigen dazu, mit anderen Menschen gute Beziehungen zu pflegen – basierend auf Hilfsbereitschaft, Rücksichtnahme, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit.
  • Lernmethodische Kompetenzen bilden die Voraussetzung zum systematischen, zielgerichteten Lernen. Sie befähigen zur Anwendung von Lernstrategien, zur Informationsbeschaffung, zur kritischen Verwendung von Medien sowie zur Darstellung und Reflexion von Arbeitsergebnissen.

Diese Zielsetzungen sind vollständig übertragbar auf die im DBU-Projekt »Elektroschrott, kritische und wertvolle Metalle/Gewinnung seltener Erden« vorgeschlagenen Unterrichtsmodelle.

Literaturempfehlungen

Applis, S. (2012): Wertorientierter Geographieunterricht im Kontext Globales Lernen. Weingarten: Hochschulverband für Geographie und ihre Didaktik.

Schreiber, J.-R./Edler, K./Schawe, M. (2010): Didaktisches Konzept. (=Globales Lernen. Hamburger Unterrichtsmodelle zum KMK-Orientierungsrahmen Globale Entwicklung). H.1, 5 (2010)

Weitere Unterrichtsmodelle

https://www.globales-lernen.de/materialien/unterrichtsmaterial

Die Hamburger Unterrichtsmodelle folgen einer einheitlichen Grundstruktur mit folgenden Gliederungselemente und Darstellungsformen:

  • Darstellung der Inhalte der Unterrichtseinheit und didaktisch-methodische Überblicksdarstellung
  • Ausformulierung der Kompetenzen, die entwickelt werden sollen
  • Unterrichtliche Umsetzung mit Planungsskizze zu den Projektphasen, untergliedert in Kernkompetenzen, Themen/Inhalte, Schüleraktivität, didaktische Hinweise
  • Hinweise zur Nutzung der Materialien
  • Materialien

Zu folgenden Themen sind derzeit Unterrichtsmodelle verfügbar:

  • Globales Lernen: Arbeit und Leben
  • Globales Lernen: Aspekte einer Postwachstums-Ökonomie
  • Globales Lernen: Wem nützt der Welthandel?
  • Globales Lernen: Hunger durch Wohlstand
  • Globales Lernen: Haben wir eine globale Schutzverantwortung?

Abbildungsnachweis: alle Abbildungen stammen aus: Schreiber, J.-R./Edler, K./Schawe, M. (2010): Didaktisches Konzept. (=Globales Lernen. Hamburger Unterrichtsmodelle zum KMK-Orientierungsrahmen Globale Entwicklung). H.1, 5 (2010)