Der Begriff der Obsoleszenz

Unter dem Begriff der Obsoleszenz versteht man »die [in seiner Herstellungsweise, seinen Materialien oder Ähnlichem angelegte] Alterung eines Produkts, das dadurch veraltet oder unbrauchbar wird« (Bibliographisches Institut GmbH 2020). Genauer kann zwischen verschiedenen Formen der Obsoleszenz unterschieden werden: Die sog. werkstoffliche Obsoleszenz bezeichnet ein Unbrauchbarwerden eines Produkts durch Abnutzung seiner Komponenten und Materialien. Wird ein Produkt unbrauchbar, weil sich funktionale und technische Anforderungen verändert haben (es z. B. keine Software mehr für das Gerät gibt), spricht man von funktionaler Obsoleszenz. Entscheiden sich Verbraucher*innen, ein noch funktionsfähiges Produkt auszutauschen, weil es nicht mehr aktuellen Konsummustern, Trends oder Moden entspricht, handelt es sich um einen Fall von psychologischer Obsoleszenz. Ökonomische Obsoleszenz bezieht sich schließlich darauf, dass Geräte nicht mehr genutzt werden, weil eine Reparatur angesichts ihres Aufwandes und ihrer Kosten im Vergleich zu einer Neuanschaffung für die Verbraucher*innen ökonomisch nicht lohnenswert erscheint (Öko-Institut e. V. 2016).

Obsoleszenz – ein hoch emotionales Thema

Das Thema Obsoleszenz ist vielfach Gegenstand emotionaler Diskussionen. Insbesondere werfen Kritiker*innen Herstellern vor, dass Obsoleszenz geplant wird – d. h. die Lebenszeit von Geräten absichtlich kurz gehalten wird, damit Nutzer*innen regelmäßig Neuanschaffungen tätigen müssen (Öko-Institut e. V. 2016). Zudem wird Herstellern vorgeworfen, für psychologische Obsoleszenz verantwortlich zu sein, indem sie Verbraucher*innen u. a. über neurobiologisches Marketing geschickt die Notwendigkeit von Neuanschaffungen suggerieren würden (Vogelmann 2015). Letztlich wird in der öffentlichen Debatte auf diese Weise oft eine Zweiteilung in Hersteller als ‚Täter‘ und Verbraucher*innen als ‚Opfer‘ vorgenommen. Um dieser Emotionalität der Debatte zu begegnen und eine verbesserte wissenschaftliche Datengrundlage zu schaffen, führten das Öko-Institut und die Universität Bonn im Auftrag des Umweltbundesamtes eine wissenschaftliche Studie zum Thema Obsoleszenz durch (Öko-Institut e. V. 2016).

Ergebnisse der Untersuchung

Im Dokument »Fragen und Antworten zu Obsoleszenz« hat das Öko-Institut Ergebnisse seiner Erhebung veröffentlicht. Die Autor*innen kommen u. a. zu folgenden Schlüssen (Öko-Institut e. V. 2016):

Die Täter-Opfer-Beziehung ist nicht so eindimensional wie oft angeführt. Es wird im Bericht herausgestellt, dass die Täter-Opfer-Beziehung nicht so eindimensional wie oft angenommen ist (Öko-Institut e. V. 2016). Da Hersteller und Kund*innen am Markt ständig interagieren, befindet sich die „Produkt- und Konsumumgebung im stetigen Wandel […] [, sodass] kein Produkt ‚lebenslang‘ haltbar“ sein könnte (Krieg 2016).

Es kommt zu geplanter Obsoleszenz seitens der Hersteller, jedoch nicht nachweisbar in Form von Manipulation. Das Ideal der Produktpolitik bedeutet für Hersteller, dass ihre Produkte genau so lange halten, wie sie auch tatsächlich genutzt werden – und nicht so lange wie möglich. In diesem Sinne ist es für einen Hersteller also durchaus sinnvoll, zu berücksichtigen, dass Konsument*innen z. B. nach einer gewissen Zeit aus Mode- bzw. technischen Aktualitätsgründen von sich aus ein neues Smartphone wünschen, sodass die Haltbarkeit von Produkten auf diesen Punkt und nicht auf das mögliche Maximum hin ausgerichtet wird. Zudem ist es zwar möglich, zeit- und kostenintensive Lebensdauertests der Produkte zu machen, praktisch fallen diese jedoch oft kurz aus, sodass auch Hersteller z. T. nicht genau zu sagen vermögen, wie lange ihre Produkte tatsächlich halten (Öko-Institut e. V. 2016).

Im Laufe der Zeit haben sich Veränderungen der Nutzungs- und Lebensdauer von Produkten ergeben. So zeigt die Studie beispielsweise, dass die durchschnittliche Nutzungsdauer von Haushaltsgroßgeräten durch die jeweils ersten Benutzer*innen im Laufe der Zeit abgenommen hat und dass immer mehr Haushaltsgroßgeräte schon in den ersten fünf Jahren nach Neuanschaffung ausgetauscht werden. Es kommt immer häufiger vor, dass noch gut funktionierende Geräte ausgetauscht werden, da der*die Konsument*in ein moderneres Gerät mit besseren Funktionen wünscht (Öko-Institut e. V. 2016).

Es gibt eine Korrelation zwischen dem Preis und der Langlebigkeit von Geräten. Geräte mit höherem Preis sind tendenziell auch langlebiger, allerdings ist der Zusammenhang nicht linear und es gibt Ausnahmen günstiger, langlebiger Geräte sowie teurer, nicht langlebiger Geräte (Öko-Institut e. V. 2016).

Langlebige Produkte haben eine bessere Ökobilanz als kurzlebige Produkte. Obwohl neue Geräte oftmals energieeffizienter sind, langlebigere Produkte einen größeren Herstellungsaufwand erfordern und mit wiederum herzustellenden Ersatzteilen repariert bzw. nachgerüstet werden müssen, schneiden langlebige Geräte in den Umweltkategorien besser ab als kurzlebige (Öko-Institut e. V. 2016).

Strategien für den Umgang mit Obsoleszenz

Am Ende des Ergebnisberichts schlägt das Öko-Institut Strategien für den Umgang mit Obsoleszenz vor. Insbesondere betonen die Autor*innen der Studie, dass aus Umweltgründen verlängerte Nutzungs- und Lebenszeiten der Produkte angestrebt sowie Defekte im frühen Nutzungszeitraum vermieden werden sollten (Öko-Institut e. V. 2016). Das Öko-Institut fasst erarbeitete Ursachen und sich daraus ableitende Lösungsoptionen in folgender Abbildung zusammen:

Obsoleszenz: Ursachen und Strategien (Abbildung: Öko-Institut e. V. 2016: 14)

Fazit

Hinsichtlich der emotional geführten Debatte um geplante Obsoleszenz und Manipulation seitens der Hersteller zeigt die Studie somit insgesamt, dass differenziert werden muss: Zwar streben Hersteller an, Obsoleszenz zu planen – dies ist jedoch stark bedingt durch die Kund*innen und ihre veränderten Nutzungsdauern von Geräten, insbesondere auch das Austauschen von noch funktionsfähigen Geräten aus technischen oder modischen Gründen im Kontext der psychologischen Obsoleszenz. Nichtsdestotrotz wäre es aus umwelttechnischer Sicht äußerst wünschenswert, dass Geräte auf eine größere Langlebigkeit ausgerichtet werden und eine verlängerte Nutzungsdauer derselben angestrebt wird.

Literatur

Bibliographisches Institut GmbH (2020): Obsoleszenz, die. https://www.duden.de/
rechtschreibung/Obsoleszenz (07.11.2020).

Krieg, R. (2016): Psychologische Obsoleszenz. https://herd-und-hof.de/handel-/
psychologische-obsoleszenz.html (07.11.2020).

Öko-Institut e. V. (2016): Fragen und Antworten zur Obsoleszenz. https://www.bundestag.
de/resource/blob/422156/d95dc2865805a1daf223b3ca3289c8ef/Fragen-und-Antworten-zu-Obsoleszenz-data.pdf (07.11.2020).

Vogelmann, M. (2015): Wie Hersteller uns Verbraucher manipulieren. https://www.haz.de/Nachrichten/Wirtschaft/Deutschland-Welt/Psychische-Obsoleszenz-Wie-Hersteller-uns-Verbraucher-manipulieren (07.11.2020).

Autorin: Julia Althoff

Bild: Pixabay (2016)