Toaster, Wasserkocher und Smartphones landen schnell im Müll. Nun meldet sich bei vielen das schlechte Gewissen – und Reparieren kommt wieder in Mode.

Seinen Taz-Beitrag „Ex und hopp ist was für Blödis“ beginnt Karl Grünberg mit einer Art Selbsterkundung über seine Erfahrungen mit Elektrogeräten und auch über sein eigenes disebezügliches Konsumverhalten:

Mein Toaster ist ein völlig runtergerocktes Ding, das schon fast auseinanderfällt. Dennoch tut es seit 20 Jahren genau das, was es tun muss: toasten. Mit anderen Geräten habe ich nicht so viel Glück. Wasserkocher, Smartphones, Milchschäumer, Waffeleisen, Staubsauger, Waschmaschinen. Und: Kopfhörer. Viele Kopfhörer. Pro Jahr drei Stück – alle immer billig gekauft, alle immer schnell kaputtgegangen.

Karl Grünberg (2022). Ex und hopp ist was für Blödis. Taz, 11.6.2022.

Aus der Selbsterkundung heraus formuliert der Verfasser zunächst Fragen und macht sich dann auf die Suche nach Antworten.

Dann gibt es noch etwas, das „geplante Obsoleszenz“ genannt und worüber in Fernsehdokumentationen, Artikeln und Fachbüchern inzwischen vielfach diskutiert wird. Dahinter steht eine Vermutung, die jeder kennt: Zwei Wochen nachdem die Garantie abgelaufen ist, ist das Ding defekt.

Karl Grünberg (2022). Ex und hopp ist was für Blödis. Taz, 11.6.2022.

Als Kern des Problems identifiziert Grünberg das Prinzip der Obsoleszenz, »die [in seiner Herstellungsweise, seinen Materialien oder Ähnlichem angelegte] Alterung eines Produkts, das dadurch veraltet oder unbrauchbar wird« (Bibliographisches Institut GmbH 2020). Genauer kann zwischen verschiedenen Formen der Obsoleszenz unterschieden werden: Die sog. werkstoffliche Obsoleszenz bezeichnet ein Unbrauchbarwerden eines Produkts durch Abnutzung seiner Komponenten und Materialien. Wird ein Produkt unbrauchbar, weil sich funktionale und technische Anforderungen verändert haben (es z. B. keine Software mehr für das Gerät gibt), spricht man von funktionaler Obsoleszenz. Entscheiden sich Verbraucher*innen, ein noch funktionsfähiges Produkt auszutauschen, weil es nicht mehr aktuellen Konsummustern, Trends oder Moden entspricht, handelt es sich um einen Fall von psychologischer Obsoleszenz. Ökonomische Obsoleszenz bezieht sich schließlich darauf, dass Geräte nicht mehr genutzt werden, weil eine Reparatur angesichts ihres Aufwandes und ihrer Kosten im Vergleich zu einer Neuanschaffung für die Verbraucher*innen ökonomisch nicht lohnenswert erscheint (Öko-Institut e. V. 2016) (vgl. den Beitrag „Obsoleszenz und die Nutzung von elektrischen und elektronischen Geräten“ von Julia Althof auf „geoandethics“)

Eignung des Textes für eine Behandlung im Unterricht

Die Ich-Perspektive des Beitrages lädt zu einer eigenen Selbsterkundung ein. Da der Verfasser seine Haltung gegenüber Elektrogeräten, seinen Umgang damit im Alltag und sein eigenes Konsumverhalten kritisch reflektiert, fällt es leicht eine Perspektivübernahme anzuregen. Es wird Negatives aufgezeigt, der Beitrag ist informativ und dicht, was das Hintergrundwissen zu den komplexen Prozessen der Elektronikproduktion und -konsumption angeht. Hierzu gehört auch die psychologische Beeinflussung und Steuerung von Verbraucher*innen.

Ich muss mir eingestehen, dass auch ich mir bisher wenig Gedanken darüber gemacht habe, ob meine Geräte besonders lange haltbar oder gut oder schlecht reparierbar sind. Mich interessierte, ob die Kamera am Smartphone etwas taugt, ob der Arbeitsspeicher am Laptop ausreicht oder ob der Rasierer rasiert, ohne meine Haut zu reizen. Und genau hier liegt der Fehler, wie Melanie Jaeger-Erben es formuliert. Sie ist Professorin an der BTU in Cottbus, außerdem Leiterin der Forschungsgruppe Obsoleszenz und Autorin des Buches „Verhältnisse reparieren. Wie Reparieren und Selbermachen die Beziehung zur Welt verändert“.

Karl Grünberg (2022). Ex und hopp ist was für Blödis. Taz, 11.6.2022.

Jedoch werden auch positive Perspektiven eröffnet, z. B. mit dem Verweis auf die Reparaturseite iFixit und die Untersuchungen zur kontrollierten Obsoleszenz von Geräten. Diese Hinweise erlauben es, selbst Verantwortung zu übernehmen und nachhaltig den eigenen Umgang mit Haushaltsgeräten und digitalen Endgeräten zu gestalten. Im Sinne einer lösungsorientierten Didaktik könnte man auch zunächst von einer der im Beitrag präsentierten Lösungen ausgehen, dann das Problem benennen, sich anschließend auf die Suche danach begeben, welche Anteile man selbst trägt am Problem und wie sich diese positiv bearbeiten lassen.

Empfehlungen auf „geoandethics“ zum Thema

iFixit

Website mit Reparaturanleitungen iFixit ist eine wiki-basierte Website, die Menschen zeigt, wie man fast alles reparieren kann. Die angemeldeten Nutzer […]

Text: Stefan Applis (2022); Julia Althof (2020)

Bild: Bin icons created by Freepik – Flaticon

Literaturempfehlungen

Bibliographisches Institut GmbH (2020): Obsoleszenz, die. https://www.duden.de/
rechtschreibung/Obsoleszenz (07.11.2020).

Krieg, R. (2016): Psychologische Obsoleszenz. https://herd-und-hof.de/handel-/
psychologische-obsoleszenz.html (07.11.2020).

Öko-Institut e. V. (2016): Fragen und Antworten zur Obsoleszenz. https://www.bundestag.
de/resource/blob/422156/d95dc2865805a1daf223b3ca3289c8ef/Fragen-und-Antworten-zu-Obsoleszenz-data.pdf (07.11.2020).