Ein Beitrag von Julia Althoff

Verbraucht eine Bevölkerung mehr Ressourcen als sich regenerieren, lebt sie auf zu großem ökologischen Fuß

Beim „Ökologischen Fußabdruck“ (Ecological Footprint) handelt es sich um ein Konzept zum Visualisieren von menschlichem Konsum im Verhältnis zum globalen Ziel der Nachhaltigkeit (Leser 2011), wie es u. a. in den Agenda 21-Vorgaben gesetzt wird.

Das Konzept wurde Anfang der 1990er Jahre von Mathis Wackernagel und William E. Rees entwickelt, wobei Überlegungen zur Tragfähigkeit den Ausgangspunkt darstellten: Diese besagten, dass die Menschheit auf einen Punkt zusteuert, an dem die Erde die Menschen nicht mehr tragen kann und ein Kollaps droht. Wackernagel und Rees drehten die Idee der Tragfähigkeit um und fragten nach dem Flächenbedarf zur Ermöglichung menschlicher Aktivitäten (Beyers et al. 2010). Ihrem Ökologischen Fußabdruck liegt damit die Idee zugrunde, dass von den Menschen in Anspruch genommene Produkte ein virtuelles Gewicht besitzen bzw. mit einer Belastung der Ressourcen einhergehen, welche als Flächenbeanspruchung berechnet werden kann   (Leser 2011), Einheit ist der globale Hektar (gha). Die Berechnung kann sowohl für Individuen als auch für Unternehmen, Städte, Länder oder die Menschheit insgesamt erfolgen (Beyers et al. 2010).

Der Overshoot

Die Flächenbeanspruchung beim „Ökologischen Fußabdruck“ steht der Biokapazität der Erde, d. h. der ökosystemischen Kapazität zur Ressourcenversorgung und zum Abbau von Abfällen, gegenüber. Wenn der Ökologische Fußabdruck größer als die Biokapazität ist, wird ein sog. Overshoot erreicht: Der Verbrauch von Ressourcen ist größer als deren Bereitstellung, sodass die Überlebensgrundlagen gefährdet werden (Beyers et al. 2010). Anzeiger des globalen Overshoots ist der vom Global Footprint Network jährlich bekanntgegebene Earth Overshoot Day. Während der Earth Overshoot Day im Jahr 1970 mit dem 29.12. noch annähernd mit dem Jahresende zusammenfiel, lag er im Jahr 2000 am 23.09. und wurde im Jahr 2019 schon am 29.07. erreicht. Infolge der Auswirkungen von COVID-19 lag er im Jahr 2020 am 22.08. (Global Footprint Network 2020).

Der „Ökologische Fußabdruck“ im Geographieunterricht

Auch im Unterricht kann das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks wegen seiner hohen Anschaulichkeit verwendet werden. Zur inhaltlichen Verdeutlichung scheint hier die von Beyers et al. (2010) vorgenommene Beschreibung des „Ökologischen Fußabdrucks“ mit Verweisen auf das Geldwesen für Schüler*innen besonders greifbar zu sein: Zum Leben und zur Entwicklung ist die Menschheit auf ökologische Ressourcen angewiesen. Wie ein Unternehmen benötigt die Gesellschaft dabei einen Überblick über diese Ressourcen sowie über Einnahmen, Ausgaben, Angebot und Nachfrage, damit sie das Kapital schützen und vermehren kann – es bedarf also einer ökologischen ‚Buchhaltung‘. In diesem Kontext kommen der Ökologische Fußabdruck, der die Nachfrage der Menschheit nach Natur misst, und die Biokapazität, die das Angebot der Natur kennzeichnet, ins Spiel. Wenn mehr Naturkapital ausgegeben als erneuert wird, überziehen die Menschen ihr Konto – dies mag eine gewisse Zeit gutgehen, langfristig jedoch würde es zum Bankrott der Natur kommen (Beyers et al. 2010).

Es bietet sich an, die Schüler*innen im Unterricht ihren eigenen Fußabdruck berechnen zu lassen. Dies kann entweder online, wie z. B. über den Rechner von Brot für die Welt, geschehen oder aber analog, wofür Brot für die Welt eine Kurzversion des Tests als einseitiges Arbeitsblatt zur Verfügung stellt. Die berechneten Werte können in der Klasse besprochen sowie mit den Durchschnittswerten der Bevölkerung verschiedener Länder des globalen Nordens und Südens verglichen werden. Die für die Schüler*innen entstehenden Gesprächsanlässe können als Ausgangspunkt genommen werden, um gemeinsam über Maßnahmen zur Senkung des individuellen Ökologischen Fußabdrucks im Alltag zu sprechen.

Autorin: Julia Althoff

Bild: Pixabay (2019)

Weiterführende Links

Auch der Test des Global Footprint Network kann online durchgeführt werden, richtet sich in seinen Fragen aber eher an Erwachsene. Er ist sehr anschaulich aufbereitet und bietet zusätzliche Informationen am Testende.

Weiteres Material zum Ökologischen Fußabdruck von Brot für die Welt ist hier zu finden.

Ein Video aus der arte-Reihe ‚Mit offenen Karten‘ bietet vertiefende Informationen zum Ökologischen Fußabdruck, u. a. zu dessen Berechnung.

Literatur

Beyers, B.; Kus, B.; Amend, T.; Fleischhauer, A. (2010): Großer Fuß auf kleiner Erde?. Bilanzieren mit dem Ecological Footprint. Anregungen für eine Welt begrenzter Ressourcen. In: Nachhaltigkeit hat viele Gesichter, 10. https://conservation-development.net/Projekte/Nachhaltigkeit/DVD_10_Footprint/Material/pdf_Serie_Nachhaltigkeit/10_Footprint_de.pdf (30.09.2020).

Global Footprint Network (2020): Past Earth Overshoot Days. https://www.overshootday.org/newsroom/past-earth-overshoot-days/ (30.09.2020).

Leser, H. (2011) (Hrsg.): Diercke Wörterbuch Geographie. Raum – Wirtschaft und Gesellschaft – Umwelt. Braunschweig: Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöningh Winklers GmbH, 15. Auflage.