Die Mystery-Methode aus dem „Thinking-Through-Geography-Ansatz“ (vgl. Leat 1998) wird im vorliegenden Beitrag zur Auseinandersetzung mit zwei Enden des Rohshtoffkreislaufes von digitalen Endgeräten vorgeschlagen.

Mystery 1: Coltanabbau in der D.R. Kongo

Das Erz Coltan ist ein unverzichtbarer Rohstoff für die moderne IT-Industrie. Das daraus gewonnene Metall Tantal wird in Kondensatoren eingesetzt, die zur Speicherung elektrischer Ladungen in Geräten erforderlich sind – in Mobiltelefonen, Laptops und in Geräten der Unterhaltungselektronik.

Die D. R. Kongo ist eines großen Bezugsländer für Coltan und andere seltene Erden. Trotz ihres Rohstoffreichtums zählt sie heute heute zu den ärmsten Ländern der Welt. Als Ursachen gelten jahrzehntelange Ausbeutung durch die belgische Kolonialmacht, Misswirtschaft, Korruption und jahrelange Kriege. Es bereichern sich direkt oder mittelbar internationale Konzerne, das lokale Militär, die Regierung und Warlords entfachen im Kampf um das Verfügungsrecht an den Rohstoffen immer wieder neue Konflikte. In Vergangenheit und Gegenwart ist es hierbei u. a. zu zwangsrekrutierte Kindersoldaten, Massentötungen, systematischer Vergewaltigung als Waffe, Hinrichtungen und illegalen Verhaftungen gekommen. Trotzdem ist es in manchen Beriechen gelungen, verantwortliche Lieferketten aufzubauen, die aber immer auch gefährdet sind.

Mystery 2: Elektroschrottverwertung in Ghana

Ghana ist oftmals die Endstation für ausgemusterte Elektrogeräte aus der ganzen Welt. Von den ca. 500 Containern Elektroschrott, die jeden Monat an den größten Schrottplatz Afrikas angeliefert werden, stammen auch einige aus Deutschland. Die Müllhalde »Agbogbloshie« liegt in Ghanas Hauptstadt Accra und ist Deponie, Marktplatz und Wohnort für mehr als 50.000 Bewohner zugleich. Von den Umständen dort erzählt der Dokumentarfilm „Welcome to Sodom“, für den es von der Produktionsfirma sogar Unterrichtsmaterial gibt.

Zum Einsatz der Mystery-Methode

Bei der Mystery-Methode wird über Geschichten, die in Leitfragen enden, zu einer Problemstellung hingeführt. In Kleingruppen versuchen die Schülerinnen und Schüler, diese Fragen zu klären, indem sie Kärtchen mit ungeordneten Informationen zu einem Fallbeispiel zusammenbringen. Wirkungszusammenhänge werden so in den untersuchten Themenfeldern mit Kärtchen und Pfeilen dargestellt.

Je nach Schülergruppe, Wahl der Perspektive und der Betonung einzelner Betrachtungsaspekte sind hier verschiedene Ergebnisse möglich. Damit Sie die Fragestellungen in unterschiedlichen Jahrgangsstufen diskutieren können, stellen wir Ihnen das Arbeitsmaterial in drei Niveaustufen zur Verfügung.

Arbeitsmaterial auf hoher Komplexitätsstufe

Zum Einsatz der Mystery-Methode im Unterricht empfehlen wir die Lektüre des #geo&ethics-Beitrags Die Mystery-Methode – Hintergrund, Einsatz, geeignete Themenfelder.

Arbeitsmaterial auf mittlerer Komplexitätsstufe

Arbeitsmaterial auf niedriger Komplexitätsstufe

Text: Stefan Applis (2020)

Photos: Peter Link (2019)

Arbeitsmaterial: Peter link und Stefan Applis (2019)

Leseempfehlungen:

Applis, S. (2014). Global Learning in a Geography Course Using the Mystery Method as an Approach to Complex Issues. Review of International Geography Education online (RIGEO) 4(1), 58-70. Abrufbar unter: http://www.rigeo.org/vol4no1/Number1spring/RIGEO-V4-N1-4.pdf

Leat, D. (1998). Thinking Through Geography. Chris Kingston Publishing. Cambridge.